Projekt: Bau einer Drehleier

Idee und Quellen (Sorry, im Moment ohne Bilder!)
Zum Mittelalter gehört ja wohl auch die richtige Musik. Ich weiß nicht mehr wie, aber die Idee einer Drehleier kam mir irgendwie in den Sinn. Wohl deshalb, weil eine relativ kurze Tastatur als einziges lautgebendes Bedienelement mir relativ einfach vor kam. Also schnell mal im Netz geschaut und -heftiges Schlucken setzte bei mir ein, bei der Erkenntnis, das ein vierstelliger Betrag fällig würde.

Hm. Kann man sowas selber bauen? Man kann. Also erst mal ein Buch geordert in dem sowas beschrieben steht. „Bau einer Drehleier“ von Helmut Gotschy fiel mir da in die Hände. Allerdings merkte ich schnell, das es sich dabei nicht um eine Einführung handelte, sondern um die Dokumentation der Arbeit eines Meisters. Allein die Werkzeuge hätten mich da ein Vermögen gekostet – geschweige die handwerklichen Fähigkeiten, die ich mir noch hätte aneignen müssen, selbstverständlich über die nächsten Jahre.

Wer mal schöne und authentische Geräte sehen möchte, der wird auf www.gotschy.com gut bedient. Natürlich kann man die auch kaufen, aber bestimmt nicht zum Billigpreis. Bei Gotschy jedenfalls habe ich entdeckt, dass die original hoch-mittelalterliche Drehleier in einer Kastenform daher kommt. Was die Sache noch erheblich erleichtern sollte. In seiner Umgebung fand ich auch Bausätze (sorry, kein link) die natürlich erheblich günstiger sind als fertige Instrumente. Allerdings habe ich da gewisse Zweifel in meine bereits erwähnten Fähigkeiten.

Bei der weiteren Suche stieß ich dann plötzlich auf genau das richtige. Den Einfach- Instrumentenbauer Dennis Havlena. Havlena baut mit einfachsten Mitteln reihenweise Instrumente, die oft einen ganz erstaunlich guten Klang aufweisen. Eine ganze Reihe Beispiele hierfür finden sich auf youtube. Und Havlena hat die 20$ Hurdy Gurdy (englisch für Drehleier) entwickelt. Der Link verweist auf die Bauanleitung, die allerdings auch auf englisch ist.

Nun mag mancher Profi die Nase rümpfen oder die Authentizität bemängeln. Aber der Zweck des ganzen, erst mal mit einem Prototypen zu bauen, wenn man weder ein professioneller Instrumentenbauer ist, noch viel von Musik versteht, wird absolut erreicht. Das Ding mach Töne und man kann tatsächlich eine Melodie darauf spielen, die wieder erkennbar ist. Und nach dem Bau hat man sich einige grundlegende Prinzipien erarbeitet wie und warum das Gerät arbeitet.

Ein paar Worte zu Funktion und Geschichte

Die Drehleier war im Mittelalter ein beliebtes Instrument, wie man Anhand zahlreicher Abbildungen belegen kann. Sie funktioniert relative einfach, indem eine Saite über ein sich drehendes Holzrad geführt wird, welches die Saite in Schwingungen versetzt, ähnlich wie der Bogen einer Geige. Nun kann man die Saite an verschiedenen Punkten abgreifen und so die Tonlage verändern. Da das bei nur einer Saite recht dünn klingt hat man in der Regel mehrere Saiten im Einsatz und dazu eine oder mehrere Saiten, die überhaupt nicht gespielt werden, also die während der gesamten Zeit immer denselben Ton spielt.

Diese Saite heißt Bordun-Saite und die Drehleier ist damit ein Bordun-Instrument. Mindestens ein anderes Bordun-Instrument kennt jeder, das ist der Dudelsack, bei dem es immer eine oder mehrere Pfeifen gibt die denselben Ton spielen. Die Geschichte mit dem immer gleichen Ton klingt in der Theorie ja sehr langweilig, Tatsächlich verleiht dieser Ton dem Instrument erst seinen charakteristischen Klang und wesentlich mehr Tiefe als ohne diesen.

Die einfache Handhabung und der einfache Bau führten im Laufe der Zeit dazu, dass die Drehleier zum Instrument der Bettler „verkam“. Neuentwicklungen eröffneten neue Möglichkeiten und so geriet die Drehleier in Vergessenheit. Im späten 18. Jahrhundert soll es laut einige Quellen im Netz noch einmal eine kurze Wiederbelebung aus Nostalgiegründen gegeben haben. Auf künstlerischen Darstellungen findet man bis ins frühe 20. Jahrhundert den Bettler, der mit einem kleine Kasten unterwegs ist und sein Lied in den Hinterhöfen der Städte erklingen lässt. Auch das waren Drehleiern. Heute wird die Drehleier traditionell nur noch in einigen Gebieten
Südfrankreichs gespielt. Und natürlich in der „Mittelaltermusik“, was immer das dann auch ist.

Meine Drehleier

Meine erste „Arbeit“ begreife ich eher als Prototypen. Deshalb habe ich nicht darauf geachtet irgendetwas an der Drehleier authentisch zu halten und bin großzügig mit Schrauben und Gewindestangen herangegangen.

(Vergrößerung mit Klick auf das Bild)

Nun also zu dem, was bei meinem Bau herausgekommen ist. Zunächst mal eine Gesamtansicht. Der Kasten besteht einfach aus verleimten Brettern mit einem Boden aus dünnerem Pressholzmaterial (tatsächlich eine alte Deckenabhängung), ebenso der Deckel. Die Maße ständig zwischen inch und Zentimeter umzurechnen war ich irgendwann Leid und habe ab da nur noch ungefähr die Proportionen von Havlenas Plan beibehalten.


Andersrum.


Die Holzscheibe richtig rund zu bekommen war nicht so einfach. Natürlich liegt der Gedanke nahe ein Holz-Rad aus dem Baumarkt zu besorgen. Die sind aber tatsächlich erstaunlicherweise nicht so richtig rund. Ich habe dann mit einer Rundsäge eins aus einem Brett ausgesägt, an der Achse befestigt und dann im eingebauten Zustand mit einem Stechbeitel weiterbearbeitet. Das erscheint mir die erfolgversprechendste Technik.

Das Rad ist etwas klein geraten. Mehr als zwei Saiten würden nur schwer da drauf passen. Glücklicherweise hatte ich das aber auch nicht vor.

Die Kurbel besteht einfach aus einem Stück Metall, das ich mit Muttern auf die Achse fixiert habe und dann eine Schraube als Griff dran gebastelt. Wegen des prototypischen Charakters habe ich mit nicht die Mühe gemacht das Stück Eisen abzuschneiden, diese Verlängerung hat also keine Funktion.

Havlena hat eine Möglichkeit erfunden die Tasten flexibel zu halten, indem er sie mit kleinen Klötzchen an einer Schiene befestigt (Die Doppel-Schiene ist auf dem ersten Bild gut zu sehen). Dadurch kann man die Tasten verschieben und so das Gerät stimmen. In „richtigen“ Drehleiern sind die Tasten durch ein Loch geführt und man muss schon sehr genau wissen wo die hingehören. Nach einer Formel aus Gotschy’s Buch kann man das zwar berechnen, wobei es im wesentlichen auf den Abstand der Tasten untereinander ankommt. Allerdings kann man sich denken, dass mir Havlenas Idee für einen einfachen Bau sehr entgegen kam.


Hier kann man die vorderste Taste im Profil sehen. Sie ist einfach nur durch eine Nut in einem Klötzchen geführt und dann ein Deckel darüber geklebt. Allerdings sind meine Klötzchen ein wenig zu kurz: Die Tasten verkannten sich gerne darin und bleiben stecken, wenn sie eigentlich per Schwerkraft zurückfallen sollten.

Rechts kann man das Schallloch sehen.


Hier schön zu sehen, die Ring-Schrauben mit denen ich die Saiten (einfache Gitarren-Saiten aus dem Musik-Handel) befestigt habe. Die Schrauben dienen auch zum Stimmen, indem ich einen Schraubenzieher durch den Ring stecke -oder einfach die Finger verwende. Entgegen meiner Erwartung hält das ganze sehr gut. Eigentlich hatte ich geglaubt, dass eine Saite unter Spannung die Schraube eventuell aufdrehen würde. Das ganze ist aber so Bombenfest, das ich sogar schon eine Saite durch Überspannung gekillt habe.


Hier kann man sehr schön das Rad erkennen udn die Watte, die für die nötige Haftung sorgt. Was da als Ersatz im MA herhalten soll ist mir noch nicht so ganz klar. Ich könnte ja mal Wolle probieren?

Unter der Spielseite ein Stück Papier, das für den nötigen Abstand sorgt. Denn den sauber mit einer Feile ins Holz zu bekommen ist eine Geduldsarbeit.

OK, das wars.
Vielleicht werde ich auch mal ein Hörprobe anfertigen. Oder gleich die nächste bauen… Denn schließlich weiß man hinterher immer besser wie es eigentlich ginge….

 

Quellen:

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2 Gedanken zu “Projekt: Bau einer Drehleier

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