Nur ein Traum?

Das Wetter ist herrlich. Ich schlendere in meiner besten Gewandung und meinem Ausgehschwert an der Seite gemütlich über den Mittelaltermarkt und freue mich besonders, endlich einen Stand gefunden zu haben, der tatsächlich Mittelalterliches verkauft. Während ich noch Anstalten mache dem Händler eine gediegene Fachsimpelei auf das Auge bzw. das Ohr zu drücken, erfüllt plötzlich ein grauenhaftes Kreischen die Luft. Entsetzt wende ich meinen Blick zum Himmel, doch es sind nicht die apokalyptischen Reiter, die die heulenden Seelen der Verdammten zur  Hölle jagen. Es ist viel schlimmer! Ein Blick zu Bühne verrät:  Die Mittelalterband „Mortales Ohrenfurunkel“ hat das Feuer eröffnet, obwohl der Platz voller Menschen ist.

Denkt denn keiner an die Kinder? Ich sehe in erstarrte kleine Gesichter mit vor Schreck geweiteten Augen. Wie soll man den armen Wesen nach diesem traumatischen Erlebnis noch erklären, dass Musik auch etwas Schönes sein kann?

Aber den Harmoniehenkern auf der Bühne ist nichts heilig!

Eine altehrwürdige, über Jahrhunderte überlieferte Melodie wird in einen kakophonen Brei verwandelt und mit einem Schalldruck, der einem Stuttgarter Wasserwerfer alle Ehre gemacht hätte mehrere Minuten lang in das schutzlose Publikum geschossen. Danach richtet der lederberockte Rädelsführer der musikalischen Terrorzelle seine Waffe, eine Art gedrechselte Vierlingsflak mit diabolischem Grinsen auf die wenigen Verbliebenen auf dem Platz, die mit erhobenen Händen um Gnade flehen. „Wir spielen jetzt für Euch“, droht er kaltherzig, „das Palästinalied!“

„Neiiiiiiiiin“, bricht es aus mir hervor. Ich stürme auf die Bühne zu und ducke mich geistesgegenwärtig untere einem hinterlistigen Sperrfeuer schriller Tongeschosse hinweg. Ich erreiche den Bühnenaufgang, reiße das Schwert aus der Scheide und stoße zu. „Stirb, Du Rohrblattkrepierer“ brülle ich und drehe das Schwert in der Wunde. Krampfartig entweicht dem tödlich Getroffenen der letzte Atemzug. „Warum machst´n Du meinen Dudelsack kaputt? „fragt der Chef der Phonguerilla verdutzt,“und wer bist´n Du überhaupt?“

„Ich,“ entfährt es mir leidenschaftlich,“ bin Hans von June. Ich bin hier im Namen von Walther von der Vogelweide, Neidhart von Reuental und Gottfried von Neifen, Heinrich von Mügeln,  Burghart von Hohenfels , Dietmar von Aist und all den anderen Komponisten und Dichtern, deren Werke ihr ein ums andere mal schamlos verhunzt. Ich bin hier im Namen all der unschuldigen Melodien die ihr hirn-, gefühl- und kunstlos herunterrotzt nur um auf einer wohlfeilen Woge eines mehr als merkwürdigen Verständnisses des Mittelalters  einen schnellen Euro zu machen.“

„Ich,“ stoße ich endlich hervor, “ bin der Rächer der Harmonielehre“.

Mit diesen Worten hebe ich zum letzten Mal das Schwert. Die Klinge glänzt im ersterbenden Schein der Abendsonne und spiegelt sich matt in den entsetzen Augen des Musikpiraten. Dann schlage ich unbarmherzig zu…

Schweißgebadet fahre ich hoch und lasse mich mit einem Aufseufzen zurück auf meinen authentischen Strohsack fallen. Was für ein abgefahrener Traum! „Rächer der Harmonielehre“, oh Mann… ich sollte abends im Lager kein Zwiebelmus mit Kirschen mehr essen…man kann es mit der Authentik auch übertreiben. Die Rohhautlaterne baumelt mit ihrem beruhigend warmen Licht am Firstbalken meines Zeltes. Die Kerze ist fast heruntergebrannt und ich wühle meine Armbanduhr heraus. Halb vier nachts. Ich drehe mich um und schließe die Augen…

„Alter!“, brüllt einer im Nachbarlager los,“ geil ej, ich hab die neue CD von „Mortales Ohrenfurunkel“ dabei. Und der Ghettoblaster hat noch für vier Stunden Saft !“

Die Säcke dudeln los.

Ich stehe auf, nehme mein Schwert und gehe leise aus dem Zelt….

 

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4 Gedanken zu “Nur ein Traum?

  1. Ich knie dann auch mal nieder und danke ehrfürchtig.

     

    Ach Quatsch, das heisst ja :

    Großes Handgeklapper

    Jubeelllll

    Ooooooooodiiiiiiiiiiiiiiiiiin

     

     

    wegflitz 😉


     

     

     

     

     

     

     

     

     

  2. Ich knie dann auch mal nieder und danke ehrfürchtig.

     

    Ach Quatsch, das heisst ja :

    Großes Handgeklapper

    Jubeelllll

    Ooooooooodiiiiiiiiiiiiiiiiiin

     

     

    wegflitz 😉


     

     

     

     

     

     

     

     

     

  3. Ich knie dann auch mal nieder und danke ehrfürchtig.

     

    Ach Quatsch, das heisst ja :

    Großes Handgeklapper

    Jubeelllll

    Ooooooooodiiiiiiiiiiiiiiiiiin

     

     

    wegflitz 😉


     

     

     

     

     

     

     

     

     

  4. ganz meine meinung,zu dem unteren teil.es nacht sich auch nich jeder die arbeit,auch mal kleine sachen selbst anzufertigen.ne tasche oder so.das find ich sehr schade. Tolle kritik,weiter so:)

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