Ich habe den Gral gesehen!

Glaubt es, oder nicht, aber letzte Woche, gerade noch rechtzeitigzum Auslaufen der Ausstellung haben wir es doch noch geschafft auf die Ausstellung „Die Erfindung der Liebe“ an der Universitätsbibliothek in Heidelberg.

Zentrales Ausstellungsstück war der „Codex Manesse“ oder auch „Heidelberger Liederhandschrift“ genannt. Jenes Buch, das im Ausgehenden 13. Jahrhundert entstanden ist und eigentlich die erste Überlieferung von Dichtkunst in deutscher Sprache darstellt. Ihr kennt es alle, denn die Bilder, die den Mittelalter-Treff umkränzen sind alle daraus entlehnt.

Die Ausstellung war schon seit Oktober 2010 am laufen, aber ihr kennt das ja: Immer kommt was dazwischen und schließlich haben wir es erst einige Tage vor Schluss geschafft uns aufzuraffen. Also rein in die Uni-Bibliothek und im ersten Stock waren ein paar Räume für die Ausstellung vorgesehen. Das ganze kostete 5 € max und noch mal was für eine Führung. Zunächst mal bekommt man eine Einführung in die Zeit an sich, was für einen Mittelalter-Begeisterten meist nicht viel neues enthält – Naja, ob sich alle von uns wirklich mal damit auseinandersetzen, wie verschieden diese Gesellschaft von der unseren war, bezweifle ich auch manchmal.

Es ging um die Minne und man versuchte zu erklären was daran im 13. Jahrhundert neu war: Nämlich dem Ideal einer reinen Liebe zu folgen, die auf Gegenseitigkeit beruht. Das es mit solchen Idealen seine Schwierigkeit hat, das ist uns ja auch nichts neues, dass man dass aber überhaupt begann, war eben sehr wohl neu. Denn eben noch waren Frauen nichts weiter als Besitztümer (in geschichtlichen Dimensionen gesprochen) und die Kirche hatte sich anzustrengen die Freiwilligkeit der Ehe durchzusetzen.

Doch zurück zur Ausstellung. Man sah viel über die Geschichte des Codex, die an sich bereits einen Krimi wert ist, seine Irrwege bis zur Rückgabe aus Frankreich 1888. Gezeigt wurde auch der Einband des Codex aus dieser Zeit, der seinerseits eine Antiquität aus der königlichen Bibliothek der Bourbonen ist.

Dann ein extra gesicherter Raum, mit einer ganze Reihe von Handschriften, die das Thema der Ausstellung weiter vertiefen. Fast könnte man denken, die deinen nur dazu das Glanzstück noch weiter zu betonen, denn bei den Gemälden des Codex kann keine der anderen Schriften mithalten. 

Und dann steht man davor. 426 Seiten Pergament, ein ganz schöner Klotz. Und sofort fallen mir Details auf, die ich bisher auf den Repros nie gesehen habe. Wir blickten auf den Herrn Alram von Gresten. Das der Knöpfe am Ärmel hat, hatte ich noch nicht gesehen. Na gut, man kann nur eine Seite des Originals anschauen, Umblättern ist natürlich ausgeschlossen (der Versicherungswert des unersetzlichen Teils liegt allein bei 50 Mio. €) Aber überhaupt zu sehen ist der nicht alle Tage. Jetzt liegt er wieder in einem Tresor der Universität und es kann Jahre dauern bis er da mal wieder hervorgeholt wird.

Also, wer mal vorbeischauen möchte finde hier den Codex Manesse. Es gibt auch Alle Seiten im Überblick und ganz besonders zu empfehlen ist die Ansicht im DFG-Viewer, mit den erst im letzten Jahr neu digitalisierten Seiten. Auch die virtuelle Ausstellung ist den Besuch Wert. Darin einige Kostproben der mittelhochdeutschen Dichtkunst, dankenswerterweise auch in modernes Deutsch übersetzt.

 

Schaut mal rein!

 

 

0 votes

4 Gedanken zu “Ich habe den Gral gesehen!

Schreibe einen Kommentar