Einsteiger im Mittelalter?

Das Mittelalter-Hobby verbreitet sich immer mehr. Das ist für uns Anlass genug etwas für Einsteiger zu tun.
Gäste auf Mittelaltermärkten im Schnürkleid mit Tütenärmeln und Chiffon-Aufsatz gibt es zu Hauf. Wer das will kann sich gerne dazu gesellen. Allerdings sollte man/frau sich dann nicht vor Publikum dazu hinreißen lassen Phantasiegeschichten über das Mittelalter zu erzählen, so wie jener Ritter, der letztes Jahr hinter mir in einer Taverne saß und dem geneigten Publikum zum besten gab, dass sein Schwert selbstverständlich nicht geschliffen sein darf, so seien schließlich alle Schwerter im Mittelalter gewesen. Wer solchen Blödsinn erzählt, hat es verdient bei nächster Gelegenheit an einen Verfechter der authentischen Reinheit zu geraten…Wie kann man also das Mittelalter-Hobby betreiben ohne sich gleich am ersten Markt lächerlich machen? 
Um ein Gerüst zu erstellen muss man Wissen was man bauen will. Deshalb müsst Ihr Euch erst einmal folgende drei Fragen stellen:

  • Was wollt Ihr Darstellen?
  • Soll das ganze einfach nur schön aussehen?
  • Welche Veranstaltungen wollt Ihr besuchen? (Marktbesucher/ Ambiente Camping/ Mittelalter-Darstellung/ Museale Darstellung)

Wie so oft wird hier gerne das Pferd von hinten aufgezäumt: Erst eine Ausrüstung besorgen oder selber machen (was Investitionen von Zeit und/oder Geld erfordert) und dann feststellen, dass man eigentlich nicht so richtig im Mittelalter gelandet ist (Und falls Du genau da stehst, durchhalten, es naht Rettung!).

Die wichtigsten Grundlagen seien hier zusammengefasst.

Einordnung in die richtige ZeitDas Mittelalter wird im Allgemein grob auf den Zeitraum von 500 bis 1500 festgelegt. Das ist sehr grob. Viele von uns waren dabei, als der kalte Krieg zu Ende ging. Wann war das genau? Eben! Kann keiner sagen. Und dabei handelt es sich nur um die letzten 50/60 Jahre der Geschichte. Beim Mittelalter haben wir es mit 1000 Jahren Geschichte zu tun. Es sollte also einleuchten, dass das Leben der Menschen am Beginn des Mittelalters in vielen Punkten zu dem an seinem Ende verschieden war.

Deshalb Unterscheidet man, sobald man etwas tiefer in der Materie steckt gerne zwischen Früh- (6. Jahrhundert bis Anfang 10. Jahrhundert), Hoch- (Anfang 10. Jahrhundert bis ca. 1250) und Spätmittelalter (ca. 1250 bis ca. 1500). Die Zahlen bitte gleich wieder vergessen, denn Ihr wisst ja jetzt wo sie stehen!

In der „Szene“ redet man gerne von FrühMis, SpäMis, HoMis und GroMis.

Woher sich die ersten drei Kürzel ableiten wird jetzt jeder verstehen. Was aber ist ein GroMi? Ein GroMi steht für „Grob Mittelalter“ und bezeichnet all jene Zeitgenossen, deren Zuordnung zum Mittelalter höchst eigenwillig ist und mehr den Vorstellungen von Fantasy Autoren und Hollywood Regisseuren entspricht.Weitere Informationen

Um sich hier einzuarbeiten benötigt man nach alter Weisheit erst mal eine Haufen Literatur. Viele sind allerdings keine so großen Leseratten, dass sie erst mal Literatur wälzen wollen. Für alle diejenigen ist der Mittelalter Treff natürlich da. Am einfachsten ist es einfach in ein Forum einzutauchen und die brennendsten Fragen direkt zu stellen. Bei uns gibt es spezielle Interessengruppen, die sich zwecks besserer Auffindbarkeit in Gruppen organisieren.

Dort könnt Ihr Eure Fragen los werden und sie werden auch sicher ganz schnell beantwortet. Also los!

Auf der kommenden Seite gibt es noch eine Literaturliste für diejenigen, die sich gerne in das Thema einlesen wollen.

Anfangen

In der Anfängeranleitung zum Mittelalter aus dem Mittelalterforum steht viel wahres drin! Allerdings auch, dass man sich auf eine Darstellung festlegen soll, dass man sich an einen möglichst engen Zeitrahmen halten soll etc. Das ist gar nicht so einfach. Stellt Euch schon mal drauf ein: Ihr werdet Fehler machen. Aber schließlich sind wir hier um auch noch Spaß bei der Sache zu haben.

Auch wenn man für eine Mittelalterdarstellung keine Geschichte studiert haben muss, sollte man sich dennoch einiger grundlegender Dinge bewusst sein. 90% des mittelalterlichen Volkes waren einfache Bauern, nicht Prinzessinnen und Ritter. Man kann also auch sehr einfach anfangen….

 

Gewandung

Für den echten Mittelalter-Freund heißt seine Kleidung Gewandung und nicht etwa Kostüm. Kostüme sind das was an Fastnacht angezogen wird oder im Theater. Und das sind billige Kopien. Zwar heißt die dazugehörige Wissenschaft nach wie vor Kostümkunde, es ist aber nur noch eine Frage der Zeit, bis die Wissenschaft ein Einsehen hat (Vorsicht: Ironie!)

Da sind wir bei der Frage, kaufen oder selber machen? Leider stellt sich heraus, dass es für eine korrekte Darstellung einfach keine Ladenware gibt (fast). Es wirklich „richtig“ zu machen, dafür braucht es Handarbeit und die ist nun mal entweder teuer oder wenn die Sachen aus Übersee kommen, dann fehlt dort natürlich das Wissen über das europäische Mittelalter. Auch ist es keinem Händler anzukreiden, dass er sich nicht den Laden mit den „hässlichen“ und klobigen Originalen voll stellt, bei der 80% der Kundschaft mit einem modernen Schönheitsempfinden zurückschreckt.

Mit dem notwendigen Wissen kann man aber tatsächlich auch bei den Gewandhändlern mal ein Fundstück auftun. Ansonsten heißt es: Nähen oder im Kostüm herumlaufen.

Kleidung im Mittelalter in Wikipedia natürlich gibt es hier auch einen Artikel über unser Thema. Wer übrigens Spaß daran hat die Uneinigkeit der Erbsenzähler zu verfolgen, der möge dort in der Diskussion nachschauen, wie uneins man sich da ist. Der Artikel wurde wegen Vandalismus bereits von der allgemeinen Edierbarkeit ausgeschlossen (das heißt es kann nicht mehr jeder was dazu schreiben, wie das bei normalen Wikipedia Artikeln der Fall ist)

Mittelalter-Ausrüstung für Anfänger ein Buch von Charlotte Erpenbeck ist als Einsteiger-Literatur für den kleinem Geldbeutel sehr zu empfehlen

Die Literaturliste für Einsteiger von „Das Rudel e.V.“ deckt gleich den ganzen Bereich ab, inklusive einiger Bücher, die man im Web direkt lesen kann. Eine ganze Reihe von Klassikern sind darunter, die Euch bei einer Vertiefung des Hobbies immer wieder begegnen werden.

 

Communitas Monacensis ist weitere ganze Webseite mit umfangreichen Informationen zu allen möglichen Details im Mittelalter, sehr schön und Detailreich gemacht.

Bei Flinkhand meldet sich and, wer jetzt Appetit bekommen hat doch einiges selber zu machen anstatt es erstens teuer und zweitens nicht so richtig echt mittelalterlich zu erstehen. Dort bekommt man alle mögliche Unterstützung für Details in der heimatlichen Produktion.

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