Eine kleine Marktkritik….

History-Market in Saint Marie aux Mines am 12. u. 13.05.2012

Wir sind bei traumhaften Wetter ins Elsass gefahren um in dem oben erwähnten Örtchen an einer Mittelaltermesse teilzunehmen. Die Kamera haben wir vergessen sonst gäb es auch Bilder. Die Veranstaltung fand in zwei kleineren Ausstellunghallen statt, es waren zwar auch auf einer Außenfläche ein paar Stände untergebracht, aber der interessante Teil befand sich in den Hallen.

Das Angebot konnte auf den ersten Blick das „Living-History“ Herz, dass in meiner Brust pocht, höher schlagen lassen. Ca. 80 Händler und Handwerker boten dem gefälligen Kunden ihre Waren feil. Es gab gehörig Blech- und Langeisenanbieter, mehrere Stände mit Bronze- u. Messingaccessoires, Stoffe vom einfachen Leinen bis zum schweren Brokat, außerdem auch fertige Kleidung vom höfischen Kleid bis zum handgenähten Gambi. Lederwaren vom Rohleder bis zur High-End Gürteltasche für € 120,-.  Holz, gedrechselt, geböttchert und sonst wie behandelt und zum Teil zu gefälligen Laternen, Tellern und Möbeln geformt. Es gab Musikinstrumente und Armbrüste (bei Gott dass waren Armbrüste!), Hüte in allen möglichen komischen Formen, Bögen und Pfeile. Natürlich gab es auch Süßigkeiten und Seifen. Ein wirklich sehenswertes Angebot, dass sich bemerkenswert vom sonst auf Mittelaltermärkten angebotenen unterschied. Ein Anfänger hätte sich hier in kürzester Zeit-ausreichende Liquidität vorausgesetzt- mit einer adäquaten Gewandung, Rüstung, Bewaffnung und Lagerausstattung eindecken können und das in guter Qualität und authentisch. Dafür ein großes Lob.

Aber das ein oder andere fiel uns dann doch auf. Während die Handwerker sehr individuelle Waren anboten, war das Angebot der Händler beunruhigend gleichgeschaltet.  Es scheint, dass man sich in einschlägigen Händlerkreisen weitgehend immer bei den gleichen osteuropäischen oder fernöstlichen Herstellern eindeckt. Die Waren sind von guter Qualität und die Formen und Materialien inzwischen gut an die historischen Vorbilder angelehnt und die Preise sind günstig, keine Frage, aber die Individualität geht flöten. OK, ich jammere auf hohem Niveau. Während ich vor 7 Jahren noch verzweifelt suchen musste ,um eine Beckenhaube mit Klappvisier überhaupt zu bekommen, fand ich heute bei jedem Rüstungshändler gleich mindestens drei  in verschiedenen Ausführungen, aber bei jedem Händler die gleichen…  ein ähnliches Bild ergab sich bei Gürtelbeschlägen, Schnallen und Fibeln. Identische Angebote bei mindestens drei Händlern. Eine interessante Entwicklung. Diese Billigangebote werden immer mehr Handwerker der Szene aus dem Rennen schießen. In nicht allzu ferner Zukunft werden wir in der Szene eine dramatische Formeneintönigkeit erleben, die sich im Augenblick schon beim Rüstzeug abzeichnet. Individuelle Anfertigungen sind grade in diesem Bereich so teuer, dass die Angebote von GDFB, Depeka etc. natürlich verlockend sind, da sie für ihren Preis auch durchaus etwas bieten. In einem anderen Forum wurde schon der Ausdruck „Klonkrieger“ geprägt. Also, wenn ihr könnt, gebt lieber etwas mehr aus, und rettet uns vor den Klonarmeen.

Ich bin gespannt wie sich das entwickeln wird….

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4 Gedanken zu “Eine kleine Marktkritik….

  1. Das ist schon länger so mit der Uniformität. Aber es gibt einfach auch schöne Momente, wenn es zum Beispiel regnet…

    ….weil in meiner Umgebung viele diese völlig identisch aussehenden Plastik-Fleece-Umhänge mit Pseudo-Wikikeltendrachenhakenverschluss gekauft haben und dann völlig durchnässt sind und elendiglich frieren. Ich dagegen, in meinem selbstgenähten, wohlig warmen, gekardeten Wollmantel… harharhar 😉

    Bei den Frauengewändern sehr ich auch seit Jahren immer mehr die gleichen Borten, Stoffe und Schnitte aus dem grooooßen Mainzer Kaufhaus WeckWorschtWoi*  mit seinen Haufenweisen Teuren Tand-Produkten**..

    Womit ich allerdings selbst innerlich kämpfe:

    Darf ich nur exakte Fundstücke nacharbeiten, denn nur so hat es ganz sicher wirklich damals ausgesehen? Dann gibt es ja trotz handwerklichem Geschick auch Uniformität, wie hier beschrieben („Klonkrieger“).

    Oder darf ich den Stil und die Technik auch nachahmen, aber individuell arbeiten? Dann ist es jedoch historisch ungenau, wie mein geliebter grauer Filzhut #seufz#

    ___

    * www, der Vorgänger des KaDeWe

    ** HTTP

  2. Das ist schon länger so mit der Uniformität. Aber es gibt einfach auch schöne Momente, wenn es zum Beispiel regnet…

    ….weil in meiner Umgebung viele diese völlig identisch aussehenden Plastik-Fleece-Umhänge mit Pseudo-Wikikeltendrachenhakenverschluss gekauft haben und dann völlig durchnässt sind und elendiglich frieren. Ich dagegen, in meinem selbstgenähten, wohlig warmen, gekardeten Wollmantel… harharhar 😉

    Bei den Frauengewändern sehr ich auch seit Jahren immer mehr die gleichen Borten, Stoffe und Schnitte aus dem grooooßen Mainzer Kaufhaus WeckWorschtWoi*  mit seinen Haufenweisen Teuren Tand-Produkten**..

    Womit ich allerdings selbst innerlich kämpfe:

    Darf ich nur exakte Fundstücke nacharbeiten, denn nur so hat es ganz sicher wirklich damals ausgesehen? Dann gibt es ja trotz handwerklichem Geschick auch Uniformität, wie hier beschrieben („Klonkrieger“).

    Oder darf ich den Stil und die Technik auch nachahmen, aber individuell arbeiten? Dann ist es jedoch historisch ungenau, wie mein geliebter grauer Filzhut #seufz#

    ___

    * www, der Vorgänger des KaDeWe

    ** HTTP

  3. Das ist schon länger so mit der Uniformität. Aber es gibt einfach auch schöne Momente, wenn es zum Beispiel regnet…

    ….weil in meiner Umgebung viele diese völlig identisch aussehenden Plastik-Fleece-Umhänge mit Pseudo-Wikikeltendrachenhakenverschluss gekauft haben und dann völlig durchnässt sind und elendiglich frieren. Ich dagegen, in meinem selbstgenähten, wohlig warmen, gekardeten Wollmantel… harharhar 😉

    Bei den Frauengewändern sehr ich auch seit Jahren immer mehr die gleichen Borten, Stoffe und Schnitte aus dem grooooßen Mainzer Kaufhaus WeckWorschtWoi*  mit seinen Haufenweisen Teuren Tand-Produkten**..

    Womit ich allerdings selbst innerlich kämpfe:

    Darf ich nur exakte Fundstücke nacharbeiten, denn nur so hat es ganz sicher wirklich damals ausgesehen? Dann gibt es ja trotz handwerklichem Geschick auch Uniformität, wie hier beschrieben („Klonkrieger“).

    Oder darf ich den Stil und die Technik auch nachahmen, aber individuell arbeiten? Dann ist es jedoch historisch ungenau, wie mein geliebter grauer Filzhut #seufz#

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    * www, der Vorgänger des KaDeWe

    ** HTTP

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