Besuch in Guedelon

DSC_7418Guedelon ist die Königsklasse der Europäischen Mittelalter-Projekte. Haben die sich doch vorgenommen gleich eine ganze Burg mit mittelalterlichen Methoden aus der Erde zu stampfen. An manchen Stellen ist das sogar wörtlich zu nehmen. Aber beginnen wir von vorne. Gleich bei der Anreise, auf dem Parkplatz wird klar, dass Die Aussage des Vereins um Guedelon, man finanziere das ganze aus den Eintrittsgeldern, durchaus ernst gemeint ist. Horden von Rentnern in Bussen kommen heran. Trotzdem hat man nicht das Gefühl, die Baustelle wäre überlaufen und die Warteschlange war durchaus kurz. Immerhin waren wir bereits in der französischen Nebensaison da, dafür kann der Andrang sich immer noch sehen lassen.

Die Burg ist bereits weit fortgeschritten, so ist das Hauptgebäude praktisch fertig. Überall im Gelände um die Burg stehen die Werkstätten in denen gearbeitet wird und wo die wesentlichen Arbeitsgeräte und Materialien hergestellt werden. Direkt am Eingang trifft man auf eine Seilerei, wo einige Handwerker und -innen unermüdlich neue Seile drehen und das ganze ausgiebig erklären. Auf Französisch natürlich. Mindestens in einer Situation waren die Besucher mit denen wir dort am Stand waren aber in der Mehrheit Ausländer. Aber das ficht einen Franzosen ja nicht an…

DSC_7349Das faszinierendste an dieser Burg finde ich genau die Details, die man in erhaltenen Bauwerken auch nicht mehr findet, da si im Laufe der Zeit ersetzt wurden. So zum Beispiel die hölzernen Wehrgänge die an einigen Stellen bereits entstanden sind.

Eine weiter Besonderheit ist der Boden in der großen Halle im Ersten DSC_7333Stock des Hauptgebäudes. Der wird mit Fliesen ausgelegt, die auf einer Schüttung liegen. Das sieht dann so aus als stünde man auf festem Boden. Allerdings spürt man schon beim ersten Schritt die Schwingung, da der Boden auf Balken gelagert ist. Das erzeugte bei mir ein merkwürdiges Gefühl der Unsicherheit. Zwar konnte mich ein Blick auf die Deckenbalken aus der Halle darunter wegen der Stabilität eindeutig beruhigen, aber die seltsame Empfindung blieb.

Eine Wassermühle

DSC_7397Etwas außerhalb des Geländes haben die Guedeloner eine echte Wassermühle gebaut. Mit wiederum hohem Aufwand wurde ein Bach in der Nähe aufgestaut und davor die Mühle postiert, die jetzt zu bestimmten Zeiten in Betrieb genommen wird. Dafür muss man einen Fußweg von ca. 500m in Kauf nehmen. Am Ende steht eine kleine Hütte in der das Mahlwerk und die entsprechenden technischen Anlagen, Mühlwerk und Umlenkung untergebracht sind. Ein kleiner Trichter hängt über dem Mühlstein und wird mit einem einfachen angebunden Stock vom Mühlstein so gerüttelt, das regelmäßig neuen Körner in die Mahlöffnung fallen. Diese werden dann von dem sich drehenden Mühlstein zerrieben und nach außen transportiert.

Die Baustelle

DSC_7309

Diverse Arbeiten sind hier zu bewundern. Bei unserer Ankunft waren Schmiede und Steinmeztwerkstatt schwer in Betrieb. In der Schmiede wurden offensichtlich Hämmer hergestellt und die Steinmetze meiselten kunstvoll Sandsteinblöcke zu Fenstereinfassungen zusammen.

Es gibt auf der Baustelle zwei Essenausgaben, ein echt mittelalterliches Mahl sucht man aber vergebens. Es gibt allerdings auch die Möglichkeit auf dem weitläufigen Gelände zu Picknicken, mit überdachten Tischen und Bänken.

Einige der Erzeugnisse der Werkstätten kann man im angeschlossenen Merchandising shop auch käuflich erwerben.

 

Einige Eindrücke

DSC_7299 DSC_7319 DSC_7330   DSC_7380

0 votes

Schreibe einen Kommentar