Besuch bei Campus Galli

DSC_7226Wer von dem Projekt noch nichts gehört hat, wir haben bereits früher darüber berichtet und es steht auch auf der Liste der Mittelalterprojekte. Campus Galli ist ein Projekt in Oberschwaben bei der Gemeinde Messkirch, wo fleißige Aktivisten ein komplettes Kloster des 9. Jahrhunderts nachbauen wollen. Grundlage dafür ist ein Original Plan, der sich im Kloster St.Gallen erhalten hat. Die Idee wurde lange diskutiert und wird seit 2011 mit diversen Hilfsgeldern tatsächlich umgesetzt. Natürlich gibt es auch einige Stimmen, die den Erfolg einer solchen Veranstaltung gerne in Abrede stellen und von vorn herein von einer Verschwendung sprechen. Mein persönliches Gefühl nach dem Besuch ist allerdings, dass hier wirklich ein Trend erkannt wurde, der sich durchsetzen wird.

Um es vorweg zu nehmen, wirklich riesig ist die Anlage noch nicht. Im wesentlichen hat man in den vergangenen Jahren einige Hütten aufgebaut in denen die einzelnen DSC_7232Handwerker ihrere Tätigkeit nachgehen. Diese Hütten sind aber bereits eine Besonderheit. Zwar sind sie in der Regel sehr klein (was dem frühen  Mittelalter sicher entspricht) und in der Fachwerkbauweise gebaut, die bis Heute bekannt ist. Aber die Dächer sind schon etwas besonderes. Die bestehen nämlich aus von Hand geschlagenen Holz-Schindeln. Jede einzelne davon wurde mit einem Loch versehen, darin ein Stift versenkt und dann neben einander an der Lattung eines Daches aufgereiht.

Diese Hütten beherbergen die Werkstätten für Korbbinder, Töpfer, Schmied, Besenbinder, Färber, Steinmetz, Zimmerleute und wahrscheinlich noch einige, die ich hier vergesse. In der Mitte der Anlage die übrigens komplett in einem Wald liegt, entsteht soeben das erste größere Gebäude, eine hölzerne Kirche. Das äussere Gerüst hat bereits Form angenommen und wir durften einige Helfer dabei beobachten, wie sie Steine für das Fundament in den Bau trugen und ein Gerüst aufbauten. Diese Arbeiten vermittelten in ihrer Mühseligkeit ein wenig das, was uns von dieser Zeit trennt: Unwillkürlich will man die Leute anschieben wenn man sieht wie wenig das ist was ohne maschinelle Unterstützung geschafft werden kann.

Überhaupt die Mühsal! Der Töpfer erklärte uns wie er den lokalen Ton erst einmal bearbeitet und reinigt um den verwerten zu können. Einige Renn-Öfen zeigten uns, dass man auch schon Eisen geschmolzen hat – oder sogar Eisenerz verhüttet, was die Sache nicht einfacher macht. An den Proben in der Schmiede (irgendwie war den ganzen Tag kein Schmied da, den wir hätten fragen können) konnte man sehen, dass man hier von den Luppen ausgehend den Stahl erzeugt hat – Mit Muskelkraft ein Wahnsinn.

Von den Damen, die sich um die Färberei kümmerten erfuhren wir, das demnächst ein erster Webstuhl in Betrieb genommen werden soll. Die Wolle kommt von den Schafen aus der Umgebung, die bei uns nur noch aus Notwendigkeit geschoren werden und heutzutage normalerweise in den Müll wandert. Campus Galli hat natürlich Verwendung dafür. Allerdings ist die Qualität dann äußerst unterschiedlich.

Die Leute vom Campus Galli wollen so ziemlich alles, was man auf der Baustelle braucht selbst herstellen. Natürlich wird es kaum möglich sein das in jeder Sparte auch in entsprechenden Mengen zu tun. Da die ganze Anlage im frühen Mittelalter verortet ist müsste man die gesamte Wolle mit Handspindeln verspinnen um dann die Kleidung für den gesamten Stab zu weben und zu schneidern. Aber immerhin gibt es da an vielen Stellen einen sehr schönen Eindruck von Seilen aus Lindenbast und grob behauenem Holz. Das Holz ganz besonders. Ich glaube ich habe noch nie so viel frisches Holz gerochen wie auf Campus Galli.

DSC_7249Derzeit ist das erste größere Projekt im entstehen, die Holzkirche. Wer sich die Frage stellt warum man denn mit einer Kirche anfängt, der möge sich daran erinnern, das es letztendlich um die Errichtung eines Klosters geht. Und obwohl man auf der Baustelle leider keine Mönche zu sehen bekommt, kann man davon ausgehen, dass diese mit Sicherheit zuerst eine Kirche erbaut hätten, auch wenn für später eine in Stein geplant war.

Hier noch ein  paar Bilder von unserem Besuch:

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