Aufstieg und Fall an den europäischen Höfen des Mittelalters

Einleitung: Zur Frage nach Bestimmungsfaktoren höfischer Karrieren
von Christoph Mauntel (Heidelberg) und Sebastian Zanke (Speyer)
„Ich bin bei Hof und spreche vom Hof, aber ich weiß nicht, was der Hof ist, nur Gott weiß das. Ich weiß, dass der Hof nicht die Zeit ist, aber er ist zeitlich, wandelbar und vielgestaltig; er ist an einem Ort gebunden und irrt doch umher, niemals bleibt er im gleichen Zustand. Wenn ich ihn verlasse, kenne ich ihn genau; bei der Rückkehr finde ich nichts oder wenig von dem, das ich verließ. Das Äußere sehe ich, der ich ein Fremder geworden bin. Der Hof ist derselbe, aber die Glieder haben gewechselt. Wenn ich den Hof beschreiben sollte, wie Porphirius das genus definiert, so werde ich nicht lügen, wenn ich sage, dass er eine Menge darstellt, die auf ein Prinzip ausgerichtet ist. Wir sind eine nicht begrenzte Menge, die einem Einzigen zu gefallen sich bemüht.“1
Die Worte, mit denen der Waliser Walter Map Ende des 12. Jahrhunderts den Hof König Heinrichs II. von England skizziert, sind oft zitiert worden, lassen sich doch mit ihnen auch noch nach Jahrhunderten die Probleme der modernen Hofforschung recht genau benennen: Was ist Hof, und zugleich: wer gehört zum Hof?…

1 vote

Weiter lesen... .

Schreibe einen Kommentar